Ein Reservist erinnert sich an seine Zeit in Klietz

Militärobjekt in Klietz, Ansicht von der B1 über den See (2026)

 

Karsten Felgner hat seine Grundwehrdienst 1981 in Dresden abgedient. von Februar bis April 1987 war er als Reservist in Klietz. Er hat einige Fotos von dieser Zeit geschickt und ein paar Zeilen dazu geschrieben.

 

„Es war ja verboten im Objekt zu fotografieren.  Erwischen lassen, wäre schlecht gewesen und für gute Kameraausrüstung war gar kein Platz, um sie zu verstecken. Ich war also zum ersten Mal als Reservist eingezogen worden. Meine Zeit von Februar bis April 1987 war begrenzt, aber trotzdem langweilig und lehrreich (bezogen darauf, dass man als junger Mensch andere Dinge im Kopf hatte, als in der Pampa Dienst zu schieben). Aber man erduldete eben diese Zeit. Wir hatten auch bald mitbekommen, dass es sich bei den Offizieren dieser Kompanie um Vorgesetzte handelte, die PV’s begangen hatten, deshalb hierher nach Klietz verschifft wurden und auch einen gewissen Frust mitbrachten (nicht alle, aber die Meisten). Es war eine reine Reservisten Kompanie, bis auf Ausnahmen, die den Betrieb am laufen hielten über die Jahre (Stammbesetzung in Klietz). Es gab immer wieder Spannungen zwischen Offizieren und Reservisten. Auch meine eigentliche Berufung an diesem abgelegenen Ort, wurde hart strapaziert. Ich war Funker mit spezieller Ausbildung an bestimmten Geräten. Mein Einsatzort war eigentlich ein SPW mit abgeschirmter Kabine – streng geheim -. Diese durfte nicht einmal ein General betreten. Die haben nur im Vorderbereich oder oben drauf Platz bekommen. So war das 1981 in Dresden. Dort hatte ich 18 Monate gedient. Wir hatten auch Felderfahrung. Jetzt aber änderte sich die Situation schlagartig, die Kompanie war erst im Aufbau. Das Viertel Jahr war eigentlich nur mit Wache, Reinigungsarbeiten und Langeweile ausgefüllt.“


Jetziger Haupteingang zur Kaserne vom Dorf aus (2026)

Kfz-Park 1987

Dort sollte die Weiterbildung als Funker für Felgner stattfinden. Aus unerklärlichen Gründen fand dies aber nicht statt. Die Bilder zeigen Soldaten kurz vor einer Feldübung.


Karsten Felgner als Einlassposten am Objekt

 

Alle drei Tage war Wache angesagt.  Am Tor zu stehen war nur eine relativ kurze Zeit. Ansonsten wurden Kohlen geschleppt, um den Ofen im  Zelt zu beheizen.

In der nächtlichen Bereitschaftszeit kam man nicht raus aus der Uniform.

Ein paar Stunden Schlaf auf der Pritsche waren auch drin.

Nicht zu vergessen die Schreibarbeit.

Die Unterkünfte waren in Mehrfamilienhäusern mit Obergeschoss und Dachboden. 

Wie das so ist, wenn junge Menschen längere Zeit zusammen in einer Kaserne leben. Da ist Zeit für Ruhe aber auch für Blödsinn, wie hier auf einigen Fotos zelebriert.

 

Einmal hatte ich auch Heimaturlaub. Es war teilweise eine lange Hin-und Rückreise, mit viel umsteigen. Im Gegensatz zu den fast heimischen Soldaten, die wurden teilweise mit dem Auto abgeholt. Ausgang auch wenig genutzt, da nur in der Kneipe zuballern angesagt war, das war aber nicht meine Lebensphilosophie. Eine Turnhalle hatten wir auch nicht, nur Sport im Freien, ging schon, waren ja warm eingepackt. 

Eine Episode noch, hatte ja vorhin schon angemerkt, dass es Spannungen zwischen den Vorgesetzten gab. Wir hatten eigentlich am Samstag frei und da kam so ein Offizier zu uns in die Einheit, ein Oberstleutnant, vormittag und sagte, Nachmittag müssen wir zur Wache, kamen aber gerade von dieser zurück. So,dass wir 24Stunden frei gehabt hätten, da ist mir der Kragen geplatzt. Zur Wache musste ich trotzdem, nur danach konnte ich gleich in den Arrest gehen. Bei der neuen Einheit, die Wachablösung gemacht hatte. Das war nämlich so, es gab keine Arrestzelle, den musste ich im Kdl (Zelt) absitzen.


Die Schwarz-weiß-Fotos wurden von Karsten Felgner zur Verfügung gestellt und für die Veröffentlichung freigegeben. Sein Text ist teilweise wörtlich wiedergegeben.

Selten genutztes Eingangstor zur Kaserne in Klietz. In den 50er und 60ger Jahren war es der Haupteingang in der Heidestraße. Links das Gebäude war damals ein Kultur- und Kinosaal.

(Foto 2026)